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Bergstürze

Nach dem Rückzug der Gletscher setzten sofort Erosionsprozesse ein, die bis heute andauern. Fast ein Drittel der Rigifläche ist mit Bergsturztrümmern bedeckt. Kaum eine Wanderung kann unternommen werden, ohne an z.T. haushohen Blöcken vorbeizukommen (z.B. auf dem spektakulären Weg durchs Felsentor, Parkwald bei Vitznau, Chestenenweid). Ursache für die zahlreichen Bergstürze ist die starke Zerklüftung der Nagelfluhbänke. Wie auf einer Rutschbahn können die Nagelfluhpakete auf den durchnässten Mergellagen zu Tale stürzen. Viele Trümmer sind in der Zwischenzeit von Gebüschen überwachsen. Solche Felsblockgebüsche gelten als Rigibesonderheit.

Als bedeutendster Sturz gilt jener von Lützelau im 18 Jahrhundert. Der Ausbruch erfolgte an den Nagelfluhwänden am Grat Steiglen-Chänzeli-Geissrüggen, das Ablagerungsgebiet umfasst etwa zwei Quadratkilometer und reicht bis zum Vierwaldstättersee. Oberhalb Orenfad ereigneten sich in historischer Zeit weitere Felsstürze, wobei derjenige von 1661 das Heilbad Lützelau samt Kapelle verschüttete.

Im Parkwald bei Vitznau (Grabacher) findet man die Reste des Bergsturzes von Gruebisbalm. Der Ort ist gut erreichbar und bietet den Besuchern und Besucherinnen ein eindrückliches Naturschauspiel.

Am 21.5.1674 ging die Gassrübi bei Vitznau nieder. Von der Ausbruchsnische unterhalb Gass (NNE Eselberg) löste sich eine Nagelfluhplatte, die etwa 200 m breit und 400 m lang war. Beim Abrutschen löste sie sich in gewaltige Blöcke auf, die durch die Schlucht des Altdorfbaches bis Vitznau hinunterstürzten. Etwas abseits des Wanderweges kann man noch heute die Ausbruchsnische sehen. Das Wort ‘Rübi’ bedeutet soviel wie Murgang.

Die Stockrübi ist die einzige Bergschutthalde, welche die Wandernden auf der Rigi queren. Sie ist ein Beispiel eines gemischten Bergsturzes: Am 17.11.1897 brachen zuerst aus der NW Flanke des Vitznauer Stockes Kreidefelsen aus, welche Flysch- und Moränengelände überschütteten. Anschliessend entwickelte sich aus der Stockrübi eine Rutschung, die bis Vitznau reichte (Kopp 1971:39).

Bekannt ist der Bergsturz von Goldau. Der Ortsname Goldau stammt von „Golet“, was Schutt bedeutet. Der Sturz von 1806 gilt als der grösste historische Felsschlipf der Schweiz: Die gegen Goldau einfallenden, durch Mergellagen getrennten Nagelfluhplatten der subalpinen Molasse neigten stets zum Abgleiten in Form ganzer Pakete. Nach anhaltenden Niederschlägen öffneten sich im Frühjahr 1806 am Gipfelgrat des Rossberges mehrere Klüfte. Durch diese drang Schnee- und Regenwasser ein und schmierte die darunterliegenden Mergellagen. Am 2. September 1806, 16.45 Uhr lösten sich 40 Mio. m3 Nagelfluh-Gestein und donnerten auf einer 4 km langen Sturzbahn, welche eine Höhendifferenz von über 1000 m überwindet, zu Tal. Der Sturz war von einer gewaltigen Druckwelle begleitet. Die Nagelfluhmassen breiteten sich strahlenförmig aus, begruben die Dörfer Goldau, Röthen und Busingen unter sich, verwüsteten in wenigen Augenblicken ein Areal von 6.5 km2 und hüllten die gesamte Gegend in eine Staubwolke. Der Sturz kam erst zur Ruhe, nachdem er 60-100 m an der Rigi-Nordlehne aufgebrandet war. 457 Tote (z.T. infolge Windschlag und Überflutung des Lauerzersees) waren zu beklagen, 102 Wohnhäuser, 2 Kirchen und 220 Ställe wurden zerstört. Im Jahr 2005 lösten sich weitere Gesteinsmassen. www.goldauerbergsturz.ch

Bergstürze gehören aber nicht etwa der Vergangenheit an, sondern ereignen sich nach wie vor (z.B. Silvesterloch an der Wissiflue vom 31.12.1987, Brändifluh am 23.12.2011). 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
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